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wie der hund lernt ... |
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lernbiologie
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Für mich ist dies vielleicht einer der wichtigsten Texte meines gesamten Internetauftritts. Die Inhalte sind Grundlage für jede Erziehungs- und Ausbildungssituation, ja eigentlich für das gesamte Zusammenleben mit dem Hund. Ohne diese Zusammenhänge wird Erziehung und Ausbildung eines Hundes nicht zu bewältigen sein. Oft sind Hundehalter von folgender Aussage etwas irritiert, um nicht zu sagen schockiert: Alles was Ihr Hund tut, tut er nicht für Sie, nicht zu Ihrem Wohlgefallen, sondern ausschließlich für sich selbst, immer mit dem Ziel, seine eigene Situation zu verbessern. Eine bittere Erkenntnis für diejenigen, die dachten, der Hund liebe uns genauso, wie wir ihn. Dass heißt natürlich nicht, dass er nicht gerne mit Ihnen zusammenlebt oder dass er nicht gerne mit Ihnen loszieht, um Abenteuer zu erleben oder dass er nicht gerne mit Ihnen seine "Beute" oder sein Lager teilt oder, oder, oder. Aber eben nicht, weil Sie so ein netter Kerl sind, sondern weil Sie ihm, in gegebenem Falle, Rahmenbedingungen schaffen, in denen der Hund seine Situation durch ein entsprechendes Verhalten verbessert sieht. Wenn Sie das verstanden haben, dann sind Sie jetzt schon weiter als 75% aller Hundehalter. Wenn Sie jetzt sagen, der spinnt ja, der Kerl, dann sage ich Ihnen, 75% sind wahrscheinlich noch untertrieben und das kann ich Ihnen in jedem Stadtpark, auf jeder Hundewiese und auf jedem Hundeplatz beweisen. Sie werden das selber bald erkennen. Aber lassen Sie mich meinen Gedanken weiterführen, denn der Hund hat jetzt ein Problem, denn er weiß zunächst nicht, mit welchem Verhalten er seinen größtmöglichen Vorteil bewirken kann. Also tut er das, was wohl jeder tun würde und bietet verschiedene Verhaltensweisen an. Er probiert einfach aus und zwar sein ganzes Leben lang. Immer und immer wieder testet er Verhaltensweisen aus, um zu prüfen, ob diese seine Situation verbessern oder nicht. Kommt der Hund, durch das was er gerade tut, zum Ziel, verbessert sich also seine Situation oder mit anderen Worten, fühlt er sich bestärkt durch das was er tut, wird er dieses Verhalten öfter anbieten. Er hofft dabei auf weitere oder wiederholte Bestätigung. Kommt er nicht zum Ziel oder verschlechtert sich gar seine Situation durch das was er tut, wird er dieses bestimmte Verhalten seltener zeigen. Und jetzt kommen Sie ins Spiel: Alles und ich wiederhole noch einmal, wirklich alles, was Sie tun müssen, ist dem Hund zu zeigen, welches Verhalten Sie gut finden und welches nicht. In meinen Augen ist das der ganze Trick. Klingt einfach, nicht? Glauben Sie mir, das ist schwieriger, als es sich anhört, denn Sie benötigen hierzu Technik, Konsequenz und Timing. Doch sein Sie beruhigt, denn diese drei Themengebiete beruhen auf einfachsten, logischen, von jedermann nachvollziehbaren Prinzipien und Vorgehensweisen, die man nur einmal nachvollzogen haben muss. |
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Meines Erachtens geben viele Hundehandler ihrem Hund viel zu wenig Feedback. Der Hund kann aber keine Lernerfolge haben, wenn man ihm nicht sagt, was er richtig und was er falsch macht. Was muss ich nun aber beim Training beachten und wie gebe ich dem Hund Feedback? Ok, los geht´s:
Hier können Sie Ihrem Hund ungemein helfen. Legen Sie konkrete Kommandos fest. Ich weiß, wie trivial das klingt, aber ich weiß auch, wie schwer es fällt, sich immer daran zu halten. Ich erkläre Ihnen, was ich meine. Nehmen wir das Kommando "Hier" - der Hund soll zu Ihnen kommen. Gebrauchen Sie, wenn Sie das Kommando "Hier" ausgewählt haben, nur dieses eine Wort. Nicht "Komm ´mal her", nicht "Hier her", nicht "Komm", nicht "Komm einmal zu mir" und auch nicht "Komm jetzt, oder willst Du, dass Mutti krank wird"; sagen Sie immer nur "Hier". Wenn Sie ein Kommando, wie oben beschrieben, variieren, dann muss Ihr Hund für ein und dieselbe Aufgabe mehrere Kommandos lernen, denn er kann nicht verstehen, dass "Komm" und "Hier" dasselbe bedeutet und dies macht es ihm nur unnötig schwer. Um ein weiteres Beispiel zu nennen und um es noch einmal deutlich zu sagen: Nehmen wir nun das Kommando "Sitz" - der Hund soll sich setzen. Wenn Sie ein Mal "Sitz" sagen, ein anderes Mal "Setz dich" und ein weiteres Mal "Schön sitzen" muss der Hund 3 verbale Kommandos lernen, um in jeder Situation das zu tun, was Sie wünschen. Er erkennt nur den Klang Ihrer Kommandos und verknüpft eines seiner Verhalten damit - hier das Setzten. Den tatsächlichen Sinn der Worte wird er nie verstehen. Wählen Sie also ein einziges Kommando aus und verwenden Sie nur dieses. Einige Hundehandler benutzen für ihre Kommandos Wörter anderer Sprachen, z.B. Englisch. Die Idee dahinter ist die überlegung, dass der Hund möglichst wenig durch Wörter der Alltagssprache, die er aufschnappt und die gar nicht für ihn bestimmt sind, irritiert wird. Besprechen Sie Ihre gewählten Kommandos auch mit denen, die ebenfalls mit dem Hund zu tun haben, z.B. Ihre Familienmitglieder. Jeder sollte Ihrem Hund gegenüber nur das eine entsprechende Wort benutzen. Versuchen Sie Kommandos immer so emotionslos wie möglich zu geben. Wenn Sie von Anfang an ein ruhiges "Platz" etablieren, macht es keinen Sinn, dem nicht gehorchenden Hund, später, das, bei Ihrem 5. Versuch immer noch nicht befolgte, "Platz" entgegen zu brüllen. Der Hund, der das Kommando sicher verknüpft hat, wird es bei Vergabe auch befolgen. Tut er dies nicht, so hat er noch nicht richtig verstanden oder ist zu stark abgelenkt oder überfordert. Achten Sie auch auf Ihre Körperhaltung und Ihre Körperbewegung, insbesondere bei der Vergabe von Sichtzeichen. Hunde sind Bewegungsseher und nehmen kleinste Ihrer Regungen wahr. Wenn Sie z.B. bei einem "Sitz" unbewusst leicht mit dem Kopf nicken, wird der Hund dies in jedem Fall registrieren. Sie können testen, ob Ihr Hund auf ein verbales Kommando richtig konditioniert ist. Stellen Sie sich mit dem Rücken zum Hund, verbleiben Sie völlig regungslos und geben Sie z.B. das Kommando "Sitz". Setzt sich Ihr Hund? Wenn nicht und wenn er sonst immer sicher auf das Kommando gehorchte, hat er mehr auf Ihre Körpersprache geachtet, als auf Ihr verbales Kommando. Also noch einmal: Werden Sie sich Ihrer Kommandos bewusst. Versuchen Sie immer denselben Tonfall und dieselbe Körperhaltung für das entsprechende Kommando einzunehmen. So bieten Sie dem Hund größtmögliche Hilfe. üben Sie Ihre Kommandos ruhig einmal im Autot, wenn der Hund nicht dabei ist. Oder trainieren Sie einmal vor einem Spiegel. Als Hundebesitzer sollte Ihnen eh bald nichts mehr peinlich sein. ;-) |
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Mir ist das Thema so wichtig, dass ich in einem gesonderten Themenblock beschreiben werde, wann Sie wie und warum loben sollten - und - wie und warum Sie Lob variieren sollten. Hier soll es zunächst "nur" darum gehen, dass Sie überhaupt loben und dass Sie in Situationen genügend loben, in denen Sie vielleicht in der Vergangenheit nicht oder zu selten gelobt haben. "Bitte? Spinnt der Typ jetzt komplett? Ich lobe doch!", werden Sie jetzt sagen. Verdeutlichen Sie sich bitte noch einmal, was ich weiter oben schon sagte: Der Hund reiht sein ganzes Leben ein Verhalten an das nächste. Betrachten Sie alles was der Hund von Geburt an tut, als eine Aneinanderkettung verschiedenster, unendlich vieler Verhaltensweisen. Verhalten, das seine Situation verbessert, wird er in Zukunft öfter zeigen, Verhalten das seine Situation verschlechtert, wird er in Zukunft seltener zeigen. Diese Zusammenhänge sind u.a. auch in dem Buch "Hunde sind anders" von Jean Donaldson sehr schön beschrieben. Beginnen Sie damit sich und andere Hundehandler zu beobachten und hinterfragen Sie das Beobachtete. Ich gehe jede Wette ein, dass Sie häufig folgendes Szenario beobachten können, das bei genauerer Betrachtung dem Hund nicht nur das Lernen erschwert, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der Logik eigentlich nicht nachzuvollziehen ist: Erteilt ein Hundehandler seinem Hund ein Kommando und führt das Tier das Kommando nicht unmittelbar aus, wird häufig das Kommando mehrfach wiederholt. Meistens nehmen dabei sowohl die Lautstärke, als auch die Intensität der Körpersprache des Handlers zu. Führt der Hund das Kommando nun endlich aus, scheint sein Herrchen, eventuell unter den bemitleidenden Blicken unbeteiligter Passanten, oft so wütend oder nachdenklich oder unüberlegt, dass er das letztlich ausgeführte Kommando dem Hund gegenüber oft unkommentiert lässt und somit der Hund kein Feedback dafür erhält, dass er etwas richtig gemacht hat. Versetzen Sie sich in die Lage des Hundes. Er führt das Kommando, z.B. "Sitz", zunächst nicht aus und wird von Herrchen "angemacht", setzt er sich dann, wird er ignoriert. Wie soll der Hund da wissen, was richtig und was falsch ist? Erstaunlicher Weise geben einige Hundehandler häufig ebenfalls kein Feedback, wenn der Hund ein Kommando unmittelbar richtig ausführt und nehmen die Leistung des Hundes offensichtlich für selbstverständlich hin. Verfallen Sie nicht dem Irrtum, dass der Hund ein einmal sicher ausgeführtes Kommando, sein Leben lang sicher ausführen wird. Der Hund wird auch in Zukunft immer Bestätigung benötigen, denn nur ein Feedback gibt dem Hund die nötige und wichtige Sicherheit. Helfen Sie Ihrem Hund und vor allen Dingen, geben Sie Ihrem Hund Sicherheit bei dem was er tut, indem Sie ihn für Verhaltensweisen loben, von denen Sie sich wünschen, dass der Hund diese in Zukunft öfter zeigt. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob Sie ein Kommando gegeben haben oder ob der Hund ohne Aufforderung ein Ihnen willkommenes Verhalten zeigt. Loben Sie ihn, wenn er etwas gut macht. Noch einmal: jedes Verhalten, mit dem sich die Situation des Hundes verbessert, in diesem Fall durch Ihr Lob, wird der Hund in Zukunft öfter zeigen und je öfter der Hund ein gewünschtes Verhalten anbietet, umso öfter haben Sie die Möglichkeit dieses zu loben usw. Eine sich selbst verstärkende Spirale entsteht. Bedenken Sie, dass ein vom Hund oft angebotenes Verhalten, für Sie wesendlich einfacher mit einem Kommando zu besetzten ist, als ein nur selten gezeigtes Verhalten. Wie angenehm, wenn sich Ihr Hund in der Stadt, während Sie zufällig einen Bekanten treffen, auch ohne Kommando ruhig neben Sie setzt (Christiane Rohn). Aber vergessen Sie nicht: loben Sie ihn dafür.
Vielleicht ist es Ihnen wie mir ergangen und Sie haben sich schon einmal gefragt, was eigentlich den Hund veranlasst offensichtlich mitzuarbeiten, wenn wir versuchen ihm etwas beizubringen. Wäre es nicht in vielen Situationen viel einfacher, lustiger und angenehmer für ihn, er würde tendenziell nur das tun, wonach ihm gerade der Sinn steht? Er weiß doch wohl am besten, wie seine Ziele aussehen und benötigt wohl kaum jemanden, der ihn wohlmöglich noch beim Verfolgen dieser Ziele ständig unterbricht. Warum also sollte er auch nur die kleinste Notiz von uns und unserem "Herumkommandieren" nehmen? Nun hat jeder, Mensch und Hund, den Wunsch mit seinem Handeln, seine Ziele zu erreichen, um, wie hier schon mehrfach beschrieben, die eigene Situation einfacher, lustiger, angenehmer usw. zu gestallten. Das Erreichen von Beute, Abenteuer, Spiel, Futter, Körperkontakt usw. ist demnach der Antrieb für den Hund. Ein anderes Wort für Antrieb ist Motivation und diese können wir uns zu Nutze zu machen. Der Umgang mit uns und das Befolgen von Kommandos muss sich für den Hund lohnen. Oder besser ausgedrückt: Der Umgang mit uns und das Befolgen von Kommandos muss für den Hund mit etwas Angenehmem verknüpft sein. Ohne Motivation, also ohne Antrieb, ohne die Vermutung seine Situation verbessern zu können, wird der Hund nicht nur keine Kommandos befolgen, er wird Sie nicht einmal eines Blickes würdigen. Meine Sicht wie man einen Hund lobt, war zunächst sehr einfallslos und ohne jede Phantasie. Doch vor dem Hintergrund des Motivationsgedankens, sind die Möglichkeiten einen Hund zu loben praktisch unbegrenzt (In der Literatur werden die Handlungen, mit denen Sie einen Hund loben auch "Bestärkungen" oder auch "Verstärker" genannt. Ich denke, damit ist gemeint, dass der Hund in seinem gezeigten Verhalten "bestärkt", bzw. das gezeigte Verhalten "verstärkt" wird. Ich werde diese Begriffe im Folgenden ebenfalls verwenden.): Natürliche, angeborene Bestärker: Da wären zunächst die natürlichen Bestärker. Darunter sind jene Ereignisse zu verstehen, die der Hund angeborener Weise als Bestärkung, also als Lob empfindet. Zu ihnen gehören Futter, Körperkontakt (Streicheleinheiten, Kontaktliegen) und Spiel im weitesten Sinn. Auch das "Aufmerksamkeit schenken", also lediglich der Augenkontakt mit dem Hund, wirkt, entsprechende Freundlichkeit des Handlers vorausgesetzt, für den Hund bestätigend. Außerdem müssen wir uns über Zusammenhänge im Klaren ein, über die wir keine unmittelbare Kontrolle haben und die beim Lehren und Lernen oft kontraproduktiv und damit hinderlich wirken. So wäre da jenes Verhalten des Hundes zu nennen, dass als selbstbestärkend beschrieben ist, bei dem also der Hund durch eigene Aktion einen Erfolg erreicht und damit praktisch durch sein eigenes Handel Lob erfährt. Außerdem sind hier noch körpereigene Reaktionen zu berücksichtigen, die ebenfalls bestärkend wirken können. Die Ausschüttung von Adrenalin bei Aggression oder Stress z.B. bewirkt u.a. eine körperliche Aktivierung, die vom Hund durchaus als angenehm und damit bestärkend empfunden werden kann. (O´Heare; Feddersen-Petersen) Konditionierte (antrainierte) Bestärker: über die natürlichen Bestärker haben wir die Möglichkeit weitere Bestärker zu etablieren. Damit der Hund mit einem verbalen Lob, z.B. mit dem Wort "Fein", etwas anfangen kann, muss das verbale Lob mit einem natürlichen Bestärker verknüpft werden. Wiederholen Sie beim Streicheln, bei der Vergabe von Leckerchen oder beim Füttern z.B. das Signalwort "Fein", wird der Hund sehr bald das Wort mit etwas Angenehmen verbinden und Sie haben mit dem Signalwort eine Möglichkeit Ihren Hund zu loben, wenn ein natürlicher Bestärker gerade nicht anwendbar ist, z.B. beim Loben auf Entfernung oder wenn Sie ihn nicht allzu sehr durch Streicheln oder Spiel während eines Trainings in seiner Konzentration stören wollen. Beim oben beschriebenen Konditionieren (Antrainieren) eines solchen Bestärkers, sollte der Hund möglichst ohne Ablenkung sein, damit Sie relativ sicher sein können, dass der Hund das Signalwort "Fein" mit etwas Angenehmem verknüpft und Sie nicht versehentlich etwas ganz anderes bestärken, auf das sich der Hund durch Ablenkung gerade konzentriert. Variable Bestärkung: Gehen wir davon aus, Sie haben mit Ihrem Hund das Kommando "Hier" trainiert. Immer wenn der Hund zu Ihnen kam, haben Sie ihm ein Feedback gegeben, dass er es gut gemacht hat und haben ihn gelobt. Nach einiger Zeit sind Sie relativ sicher, dass der Hund das verbale Kommando richtig verknüpft hat. Nun fällt Ihnen aber auf, dass der Hund Ihr Kommando das eine Mal sehr schön befolgt und schnell, in gerader Linie zu Ihnen kommt und ein anderes Mal der Hund eher träge und in großem Bogen in Ihre Richtung läuft. Wenn Sie den Hund auch in Zukunft immer in gleicher Weise für das "zu Ihnen Kommen" loben würden, würden Sie ihm die Chance nehmen, erkennen zu können, welche Ausführung von Ihnen bevorzugt wird. Der Hund kann also keine Lernfortschritte machen. Die variable Bestärkung bietet Ihnen zwei tolle Möglichkeiten in der Ausbildung. Mit ihr können Sie die Ausführung eines Kommandos verbessern und außerdem die Motivation des Hundes steigern. Führen Sie ein neues Kommando ein, so muss der Hund zunächst bei jedem Ausführen gelobt werden. Dies gilt auch für das Einführen eines zusätzlichen Sichtzeichens oder Pfeifsignals für ein bereits etabliertes verbales Kommando. In der Phase also, in der der Hund etwas Neues lernt, loben Sie ihn immer wenn er das Kommando befolgt. Kommt der Hund nach Vergabe des Kommandos "Hier" zu Ihnen, loben Sie ihn jedes Mal. Erst wenn der Hund ein Kommando relativ sicher befolgen kann, können Sie mit der variablen Bestärkung beginnen. Legen Sie nun zunächst Ihr Augenmerk auf die Ausführungen eines Kommandos, die gerade noch als akzeptabel erscheinen. Der Hund führt zwar das Kommando aus, z.B. setzt er sich zwar, aber sehr viel langsamer und nur sehr zögerlich, im Vergleich zu seinen sonstigen Ausführungen dieses Kommandos. Loben Sie diese Ausführungen nicht mehr. Dabei ist es von äußerster Wichtigkeit, dass Sie zu Beginn nur ca. jede 10. Ausführung nicht loben. Stellen Sie bei Ihrer Auswahl der schlechten Ausführungen, die Sie nicht mehr loben wollen, also keine Anforderungen an den Hund, die bewirken würden, dass der Hund mit Einführung der variablen Bestärkung kaum noch Lob erhält. Die Einführung der variablen Bestärkung muss sehr behutsam erfolgen, um den Hund nicht zu verwirren. Nach einigen Trainingseinheiten können Sie Ihre Anforderungen langsam steigern, so dass ca. jede 8. Ausführung nicht mehr von Ihnen gelobt wird. Nach weiterem Training loben Sie ca. jede 6. Ausführung nicht mehr. Zählen Sie bitte nicht mit. Wenn Sie exakt jede 8. Ausführung auswählen, die nicht gut war und die Sie nicht loben wollen, besteht die Gefahr, dass der Hund dieses Muster erkennt. Die Zahlen sollen nur verdeutlichen, dass Sie langsam vorgehen sollten. Außerdem wird der Hund natürlich auch nicht exakt jedes 8. Kommando schlecht ausführen. Beobachten Sie Ihren Hund hierbei sehr genau. Führt er ein Kommando ganz besonders gut aus, sollten Sie vorbereitet sein. In der Literatur (z.B. Donaldson, O´Heare, Pryor) ist der sogenannte "Jackpot" beschrieben, den Sie jetzt einsetzen sollten. Völlig unerwartet erhält der Hund nun ein so großes Lob von Ihnen, dass er sein Glück kaum fassen kann. Ermöglichen Sie ihm etwas, das er ganz besonders gerne tut oder geben Sie ihm etwas, das er ganz besonders gerne frisst. Setzen Sie den Jackpot aber nur sehr selten ein. Hier müssen alle Rahmenbedingungen stimmen. Sie müssen sich sicher sein, dass Ihr Timing (dazu später mehr) stimmt, Sie müssen sich darüber im Klaren sein, wie die "perfekte" Ausführung eines Kommandos eigentlich aussehen soll und der Hund muss Ihren Anforderungen tatsächlich gerecht geworden sein. An dieser Stelle lässt sich das Prinzip der variablen Bestärkung gut erklären. Sie schaffen so eine Erwartungshaltung in dem Hund. Die Motivation des Hundes steigt in seiner Hoffnung, vielleicht mit dem nächsten Kommando, wieder einen Jackpot zu erhalten oder wenigstens ein tolles Lob. Die Wahrscheinlichkeit wird größer, dass er die Ausführungen variiert, wenn er versteht, dass er bei bestimmten Ausführungen kein Lob erhält. Vom Hund variiertes Verhalten gibt Ihnen wiederum die Möglichkeit neue, bessere Ausführungen besonders zu loben usw.. Erstellen Sie eine Liste von Dingen, die Ihr Hund gerne mag. Auf Platz 1 setzten Sie das, was er am aller liebsten hat, auf Platz 2 was er am zweitliebsten hat usw.. Alles ist möglich: Zerrspiel mit seinem Lieblingsseil, mit ihm um die Wette laufen, Leber verfüttern, ... Wie schon gesagt: die Art und Weise wie Sie loben ist unbegrenzt. Arbeiten Sie mit dieser Liste sowohl in der Lernphase und natürlich auch bei der späteren variablen Bestärkung. Die Zusammenhänge zu erklären fällt mir nicht ganz leicht. Deshalb schreiben Sie mir bitte, wenn Ihnen etwas unklar ist oder wenn Sie etwas anders sehen. Ich greife Ihre Anmerkungen gerne auf. Ausnahmen: Es gibt tatsächlich Situationen beim Training, bei der Erziehung oder bei der Arbeit in denen Sie das System der variablen Bestärkung nicht anwenden sollten. Immer wenn der Hund eine oder mehrer Wahlmöglichkeiten hat und er Ihre Anweisung richtig befolgt, sollten Sie Ihren Hund ohne Ausnahme jedes Mal loben, um ihm zu zeigen, dass er mit seiner Wahl richtig gelegen hat. Das gibt ihn die hier nötige Bestätigung für seine richtige Auswahl. An einem Beispiel wird es deutlicher: Angenommen Sie legen in einiger Entfernung zwei Spielzeuge aus und weisen den Hund an, welches er zuerst holen soll. Bringt der Hund das richtige von beiden, muss er stets gelobt werden. In diesem Fall liegt das Trainingsziel in der richtigen Wahl, die der Hund treffen muss, nicht darin etwas zu bringen. Holt der Hund das falsche Spielzeug würden Sie ihn nicht loben. Bringt er das richtige, würden Sie loben. Würden Sie hier nun mit variabler Bestätigung arbeiten, würde zwangsläufig mit fortschreitendem Training auch eine korrekte Auswahl des Hundes nicht gelobt. Das könnte der Hund verwirren und damit schließt sich eine variable Bestärkung hier aus. |
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Leider steht Ihnen nach dem vom Hund gezeigten Verhalten nur wenig Zeit zur Verfügung innerhalb der Sie ihn loben oder tadeln sollten. (Zu meinen Ansichten über das Tadeln finden Sie im übernächsten Abschnitt mehr.) Ich versuche zu erklären warum das so ist: Der Grund liegt wieder darin, dass der Hund ständig verschiedene Verhaltensweisen aneinander kettet. Weiter oben sprachen wir ja bereits darüber. Loben Sie z.B. den Hund, werden Sie ihm aus mindestens zwei Gründen wohl kaum erklären können, dass Sie z.B. das drittletzte Verhalten so richtig klasse fanden. Erstens haben Studien gezeigt, dass der Hund nicht zählen kann und selbst wenn er zählen könnte, sind Sie zweitens nicht in der Lage zu beurteilen, wie viele Verhaltensweisen des Hundes zwischen dem Verhalten, das Sie loben wollen und dem Zeitpunkt Ihres tatsächlichen Lobens exakt gelegen haben. Sie haben also nur eine Möglichkeit dem Hund ein Feedback zu geben: Sie müssen ein gewünschtes oder ein unerwünschtes Verhalten unmittelbar loben bzw. tadeln. Immer wieder werden Sie die Aussage hören, Sie hätten dafür maximal 3 Sekunden Zeit. Diese Zahl ist zwar meines Wissens nach korrekt, aber völlig praxisfern, da sie aus der Verhaltensforschung herrührt und unter nahezu ablenkungsfreien Laborbedingungen ermittelt wurde. Gehen Sie davon aus, dass zwischen dem gezeigten Verhalten und dem von Ihnen gegebenem Feedback nicht mehr als eine Sekunde liegen sollte. Einige Verhaltensforscher sprechen sogar von einem Zeitfenster von maximal nur 0.3 Sekunden, wenn keine Laborbedingungen herrschen. Wie auch immer, es besteht immer die Gefahr, das Sie versehendlich das nächste oder übernächste oder ein noch späteres Verhalten des Hundes loben oder tadeln, nur weil Sie nicht schnell genug gewesen sind. Der Hund wird Ihr Feedback in jedem Fall auf sein letztes Verhalten beziehen, den er weiß welches sein letztes Verhalten war. Ob dies das Verhalten ist, das Sie auch gemeint haben, dessen dürfen Sie sich nie sicher sein und insbesondere dann nicht, wenn Sie sich zum Tadeln des Hundes entschlossen haben. Die folgenden Beispiele versuchen die Zusammenhänge noch einmal zu verdeutlichen: Nach zwanzigminütigem Besuch Ihres Kellers kommen Sie in die Wohnung zurück und entdecken, dass Ihr Hund eifrig getestet hat, ob Ihre Lederpantoffeln reißzahnresistent sind. Ihr Blick fällt auf den übeltäter, der in einer anderen Zimmerecke sitzt und Sie bereits mit angelegten Ohren empfängt. Sie deuten das als Schuldeingeständnis und schimpfen ihn. Für den Hund stellt sich die Situation allerdings ganz anders dar. Den Ort der Materialprüfung hat er lange verlassen. Jetzt gerade kommt Herrchen aus dem Keller zurück und der Hund freut sich wahrscheinlich sogar ihn wieder zu sehen. Und auf einmal dreht sich Herrchen mit geballter Faust, verzerrtem Gesicht, geschwollenen Halsschlagadern und nach Adrenalin "stinkend" zu ihm hin und fängt auch noch an loszubrüllen. Glauben Sie mir, der Hund versteht die Welt nicht mehr. Aufgrund seines Unvermögens Ihre Reaktion mit einem seiner, in der Vergangenheit liegenden Verhalten zu verknüpfen, kennt der Hund kein schlechtes Gewissen. Er stellt lediglich fest, er riecht und sieht, dass Sie plötzlich ganz anders sind als sonst. Nur deshalb legt er die Ohren an. ("Warum brüllt mich Herrchen an, wenn ich doch nur in dieser Zimmerecke sitze? Das habe ich doch sonst auch gedurft.") Oder Sie geben dem Hund das Kommando "Sitz" und der Hund setzt sich brav. Sie loben Ihren Hund freundlich, doch noch bevor Sie "Prima" gesagt haben, fliegt ein Vogel an Ihnen beiden vorbei und der Hund schaut ihm nach. Leider entfleucht Ihnen im selben Moment doch noch Ihr Lob: "Prima". Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihr Hund demnächst nach Vögeln Ausschau hält und beschließt Ornithologe zu werden, denn dafür haben Sie ihn ja schließlich gelobt. ;-) Wenn Sie sich also nicht sicher sind, ob Ihr Timing stimmt, dann geben Sie besser gar kein Feedback, denn der Hund wird es immer nur auf sein aktuelles Verhalten beziehen.
Ohne Zweifel ist der Hund ein hochsoziales Tier, das im Laufe seiner Domestikation (Haustierwerdung) gelernt hat, den Menschen als Sozialpartner zu akzeptieren. Nun wünscht sich der Mensch auf der einen Seite, dass sich der Hund möglichst stark an ihn bindet, fordert aber auf der anderen Seite Unterordnung und Gehorsam des Hundes ein. So stellte sich mir die Frage, ob diese beiden Anforderungen nicht gegeneinander arbeiten. Insbesondere die Bücher "Hundepsychologie" von Feddersen-Petersen und "Mann nennt mich Hundeflüsterin" von Rohn erklären in meinen Augen, dass das Gegenteil der Fall ist. Wichtig dabei ist nur, wie Sie die Rahmenbedingungen des Zusammenlebens mit dem Hund gestalten. Ich verstehe die beiden Autorinnen so, dass es für den Hund von großer Bedeutung ist, in Ihnen eine Art souveränen Orientierungspunkt zu finden. Grundsätzlich unterliegt alles, woran man (Mensch und Hund) sich orientieren kann, festen Regeln und solche Regeln gilt es auch dem Hund gegenüber aufzustellen. Je klarer und eindeutiger diese Regeln vom Hund verstanden werden können, umso eher sieht er in Ihnen den Souverän, umso eher wird er sich bei eigener Unsicherheit an Ihnen orientieren und in jedem Fall ist so eine Orientierung des Hundes bindungsfördernd. Gerade Christiane Rohn weist in ihrem Buch immer wieder daraufhin, dass der Hund Ihre eigenen Unsicherheiten sofort spüren wird. Ist Ihre Unsicherheit so groß, dass der Hund keine klaren Muster mehr erkennen kann, wird er die Situation selber in die Hand nehmen und Sie werden die Kontrolle verlieren. Im ersten Schritt müssen Sie sich Ihrer eigenen Regeln bewusst werden. Soll Ihr Hund andere Menschen anspringen dürfen, darf er auf jedes Ihrer Sitzmöbel oder nur auf eine besondere Couch, darf er etwas vom Tisch haben, darf er in Ihr Bett, darf er Besuch an der Tür empfangen, muss er auch einmal alleine bleiben können, welche Kommandos soll er wie befolgen usw.. Die eigenen Regeln genau zu kennen, ist Grundvoraussetzung dem Hund gegenüber mit diesen souverän und sicher umzugehen. Im nächsten Schritt müssen Sie dem Hund gegenüber Ihre Regeln leben. Sein Sie konsequent. Folgende erklärende Wörter fand ich im Fremdwörter - Duden zu "konsequent": folgerichtig; unbeirrbar, fest entschlossen; beharrlich, immer, jedes Mal Der Hund kann Ausnahmen, die Sie von Ihren Regeln machen nicht verstehen. Diese verwirren ihn nur und er wird versuchen eine Ausnahme, die ihm einmal einen Vorteil gebracht hat, wieder zu erwirken. Sie können einem Hund nicht erklären, dass er ausnahmsweise etwas Wurst vom Tisch bekam, weil es ihm an diesem Tag nicht so gut ging. Ein Hund, der Ihnen als Welpe und als Junghund so niedlich am Bein hochspringen durfte, wird kein Verständnis dafür entwickeln, dass Sie das Hochspringen nach 14 Monaten mit seinen nunmehr 30 kg nicht mehr so niedlich finden. Stellen Sie von Anfang an Ihre Regeln auf und setzen Sie diese konsequent um. Dabei darf Konsequenz auf keinen Fall mit Druck oder gar Strafe verwechselt werden, da bei von Ihnen ergriffenen drakonischen Maßnahmen, die mit Druck oder Strafe in Verbindung stehen, immer die Gefahr besteht, dass Sie aus der Sicht des Hundes Ihren Status des souveränen Orientierungspunktes verlieren. Dies würde in jedem Fall gegen die Bindung des Hundes wirken. Bleiben Sie ruhig und freundlich. Helfen Sie Ihrem Hund, wenn er etwas falsch macht, bauen Sie eine übung neu auf, gehen Sie eine Schwierigkeitsstufe zurück, ignorieren Sie Fehlverhalten, bauen Sie die übung erneut auf und loben Sie Ihren Hund, wenn er es gut macht. Geben Sie Ihrem Hund so die nötige Sicherheit. Verlieren Sie Ihre Regel nicht aus den Augen, bleiben Sie freundlich aber konsequent.
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Was ist nun aber, wenn der Hund trotz all Ihrer Bemühungen dennoch nicht das tut, was Sie sich von ihm wünschen? Was ist, wenn er z.B. in der Pubertät versucht seine Grenzen auszuloten? Was tun, wenn er sonst relativ sicher befolgte Kommandos zum wiederholten Male auf einmal nicht mehr ausführt oder beim Anblick "junger Damen" so tut, als hätte er nie zuvor zu Ihnen gehört oder nie zuvor je irgendeins Ihrer Kommandos befolgt? Was ist, wenn Sie irgendwann überzeugt davon sind, dass Ihr Hund mit seinen "Lippen" die Worte "Du kannst mich ´mal!" formen kann? Oder mit anderen Worten: Was ist, wenn Sie am Ende Ihrer Geduld angelangt sind und Sie sich Ihren Hund immer öfter sehr gut als flauschige Felldecke vor dem Kamin vorstellen könnten? Wie also kann ich dem Hund sagen, dass er etwas falsch gemacht hat.? Oder vielleicht besser formuliert: Wie kann ich dem Hund begreiflich machen, dass er ein bestimmtes Verhalten in Zukunft nicht mehr zeigen soll? Internetforen bieten eine tolle Möglichkeit, Meinungen anderer Handler auf unkomplizierte Weise in Erfahrung zu bringen. Doch mir fiel auf, dass das Tadeln des Hundes dort meistens lediglich umschrieben wird: "...dann war Schluss mit lustig...", "...da habe ich meinem Hund aber gezeigt, was Sache ist...", "...das lasse ich ihm nicht durchgehen...", "...zeig ihm, dass er das nicht darf..." usw.. Mit der Bitte um Erklärung der angewandten Methoden wurde deutlich, wie unsicher viele Handler mit diesem Thema umgehen, obwohl sie doch täglich damit umgehen müssen. Eine Tatsache mit zum Teil fatalen Folgen. Die leidgeprüften Tierheimbetreiber wissen, wovon ich rede. Befürworter von Härte in der Ausbildung veröffentlichen ihre Methoden in diesen Foren aus verständlichen Gründen entweder nicht oder werden schnell mit dem Attribut der Tierschutzrelevanz stigmatisiert. Andere, die jede Form von negativem Einwirken auf den Hund kategorisch ablehnen, bezichtigt man der Lüge und erklärt, solche Methoden seien nicht konsequent durchführbar oder man vermutet, der so ausgebildete Hund sei mit hoher Wahrscheinlichkeit, ohne je getadelt worden zu sein, schlecht erzogen.
Ich habe oft gehört, man könne das Thema Tadeln nicht verallgemeinern, da jedes Hundeindividuum einen anderen Charakter besäße. Und wenn der eine Hund bei deutlichem Ruck an der Leine (ich komme weiter unten noch auf den Leinenruck zu sprechen) kaum eine Reaktion zeigt, so kann es sein, dass ein anderer Hund bereits beim zweiten "Nein" so stark beeindruckt ist, dass er für den Rest des Tages mit eingezogener Rute herumläuft. Dass es äußerst sensible Hunde und äußerst unempfindliche Hunde gibt und alle Facetten zwischen diesen Extremen, steht natürlich außer Frage. Da aber für alle Individuen gilt, dass eine Grenze negativer Einwirkung, die für den Hund ohne die Bindung gefährdender Folgen noch zu ertragen ist, vom Handler auch überschritten werden kann, ist die Frage danach, ob es sich um einen sensiblen oder um einen robusten Hund handelt irrelevant. Relevant ist nur, ob der Handler bereit ist, diese Grenze, egal bei welchem Hund, zum Bestandteil der Ausbildung zu machen und ob er damit die Gefahr in Kauf nimmt, diese Grenze eventuell zu überschreiten. In meinen Augen ist deshalb der erste Schritt, den Sie unternehmen müssen, nicht die überlegung welchen Charakter Ihr Hund hat und welche Methode des Tadelns dieser auszuhalten imstande ist, sonder die überlegung, welche Methode Sie mit Ihrem Gewissen, beziehungsweise mit Ihrer Sachkunde vereinbaren können. Wenden Sie bitte aus diesem Grund niemals unreflektiert eine Methode des Tadelns an, die Ihnen jemand rät, der Sie und Ihren Hund erstens nicht sehr genau kennt und damit einzuschätzen weiß und der zweitens nicht nachweislich über entsprechende Kompetenz verfügt. "Nur" Kompetenz zu besitzen, reicht meiner Meinung nach bei Weitem nicht aus. überlassen Sie niemals Ihren Hund, auch nicht nur für ein paar Minuten, einem vermeintlichen Hundetrainer, ohne vorher geklärt zu haben, was dieser mit Ihrem Hund anstellen möchte. Wenn Sie mit den Ihnen vorgeschlagenen Methoden nicht einverstanden sind, haben Sie den Mut das klar zu formulieren und verlassen Sie gegebenenfalls den Ort des Geschehens. Lassen Sie uns also zunächst sehen, worauf Sie unbedingt achten sollten, wenn es um das Tadeln Ihres Hundes geht. |
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Weiter oben im Text, zum Thema Konsequenz, habe ich versucht Ihnen zu verdeutlichen, wie wichtig es für den Hund und damit für sein Wohlbefinden und für seine Bindung an Sie ist, dass Sie souverän und konsequent dem Hund gegenüber auftreten, damit er sich an Ihnen orientieren kann. Je gradliniger und für den Hund verständlicher Sie seine Erziehung oder Ausbildung aufbauen, je klarer strukturiert Sie das Zusammenleben mit ihm von Anfang an gestalten und je konsequenter Sie dabei sind, umso einfacher fällt es dem Hund Ihre Regeln zu erkennen, umso höher ist damit die Wahrscheinlichkeit, das er ein von Ihnen erwünschtes Verhalten häufiger zeigt und umso weniger Tadel benötigt er. Bezogen auf die Bindung des Hundes ist der beste Tadel der, den Sie nicht anwenden. Versuchen Sie Ihren Hund tendenziell immer mehr zu loben, als zu tadeln. Baut der Halunke Mist, so ist der Handler oft schnell zur Stelle und maßregelt ihn. Liegt der Hund dagegen brav auf seinem Platz, so fällt er weiter nicht auf und sein Verhalten bleibt vom Handler unkommentiert. Das kann dazu führen, dass der Hund im Laufe eines Tages wesentlich öfter getadelt als gelobt wird. Jean Donaldson empfiehlt in ihrem Buch "Hunde sind anders" man solle zwei Listen erstellen. Auf die erste schreiben Sie die Verhaltensweisen, die der Hund unerwünschter Weise zeigt und die er in Zukunft nicht mehr zeigen soll. Auf die zweite Liste werden die Verhaltensweisen aufgelistet, die der Hund gut macht oder von denen wir uns in Zukunft wünschen, dass er sie zeigt. Die erste Liste schmeißen Sie bitte weg und arbeiten nur mit der zweiten Liste und loben alle hier aufgeführten, von Ihnen erwünschten Verhaltensweisen. Probieren Sie das ruhig einmal aus. Sie werden staunen, wie oft Sie den Hund auf einmal loben werden. Suchen Sie den Fehler nicht als erstes beim Hund, wenn er etwas falsch macht. Hinterfragen sie noch einmal Ihre Methoden und Ihre Vorgehensweisen bis zum aktuellen Ausbildungsstand des Hundes. Haben Sie dem Hund genügend Möglichkeiten geboten, die übung ausreichend oft wiederholen zu können? Haben Sie die übung für den Hund nachvollziehbar und langsam genug aufgebaut? Wie ist das Befinden (Krankheit, Verletzung, Pubertät, Zahnwechsel, Müdigkeit usw.) des Hundes? Ist er stark abgelenkt oder verunsichert ihn vielleicht eine neue, ihm unbekannte Umgebung? Hat er Sie bei entsprechender Distanz und vielleicht starkem Wind überhaupt hören können? überfordern Sie ihn bezüglich seiner Konzentrationsfähigkeit gerade? Bitte denken Sie immer daran, dass all diese Fragen eventuell Gründe für ein unerwünschtes Veralten beinhalten können. In diesem Fall dürfen Sie unter keinen Umständen tadeln. Denken Sie bitte an Ihren weiter oben beschriebenen Status als Souverän. Vergessen Sie bitte nicht, dass Sie sich später beim Hund für einen irrtümlichen Tadel nicht entschuldigen können.
Okay, Sie haben in einer konkreten Situation in der der Hund etwas falsch macht, alle überlegungen bis hierher noch einmal nachvollzogen und haben sich dennoch entschieden den Hund zu tadeln. Lesen Sie bitte an dieser Stelle noch einmal sehr genau was ich zum Timing schrieb, da der korrekte Zeitpunkt Ihres Einwirkens auf den Hund von entscheidender Bedeutung für den Erfolg Ihres Tadels ist. Wenn Sie sich eines guten Timings sicher sind, führen Sie den Tadel aus. (Wie ein Tadel aussehen kann und wie dieser nicht aussehen sollte und warum, beschreibe ich gleich.) Was direkt nach Ihrem Tadel folgt, ist von großer Wichtigkeit, um nicht gegen die Bindung des Hundes zu arbeiten. Sie werden den Fehler, den Sie nach der Vergabe eines Tadels machen können, immer wieder bei anderen Hundehandlern beobachten können. Vermeiden Sie diesen Fehler: Haben Sie den Hund getadelt und bricht dieser sein, in Ihren Augen "falsches" Verhalten ab, sollten Sie diesen Verhaltensabbruch nicht unkommentiert lassen. Deshalb loben Sie Ihren Hund unmittelbar, wenn er das unerwünschte Verhalten abgebrochen hat, um ihm zu zeigen, dass nun alles wieder in Ordnung ist, damit sich der Hund seines weiterhin bestehenden Platzes in Ihrem Sozialverband sicher ist. Hier ein Zitat von Feddersen-Petersen aus "Hundepsychologie" (Seite 383 f), dass die Begriffe Timing, Konsequenz und Erhalten von Bindung, beim Tadeln der Tiere untereinander, noch einmal sehr schön miteinander verknüpft und deren Wichtigkeit verdeutlicht: "über negative Reize, die einem Verhalten unmittelbar folgen, am besten noch in dieses »hinein reagieren«, dieses immer wieder, wenn herausgefordert, Reize, die erschrecken, ein Verhalten zu unterbrechen vermögen, lernen Wölfe wie Hunde ihre sozialen Grenzen kennen bzw. die Bereiche und Verhaltensmöglichkeiten ihrer Sozialpartner zu respektieren. Es gibt Individuen, die etwa Rivalitätssituationen wiederholt herausfordern, um Klarheit zu gewinnen. Die Reize (über-den-Fang-beißen bei mehr oder weniger ausgeprägter Hemmung) sind in aller Regel »eingebettet« in Zeichen, die simultan oder kurz danach positive Sozialkontakte und -beziehungen bestätigen." Sein sie Ihrem Hund gegenüber niemals nachtragend, da er alles was Sie tun, immer nur auf sein aktuelles Verhalten bezieht und niemals auf ein Verhalten, das er in der Vergangenheit gezeigt hat.
Auch wenn viele althergebrachte Methoden des Tadelns heute immer noch angewandt und empfohlen werden, sind viele dieser Methoden, aus heutiger, verhaltensbiologischer Sicht, vor dem Hintergrund des Tierschutzgesetzes und aus Gründen der Ethik heute nicht mehr anwendbar. Die Tatsache das einige diese Methoden heute dennoch weitverbreitet Anwendung finden, hängt wohl damit zusammen, dass früher Hunde mehr oder weniger ausschließlich mit drakonischen Maßnahmen ausgebildet wurden und diese von einer Hundehandlergeneration zur nächsten, ohne ausreichendes Hinterfragen, weitergegeben wurden und werden. Das fatale daran ist, dass Ausbildung mit großer Härte heute wie damals funktioniert, da der Hund versucht die Sanktionen durch entsprechendes Verhalten zu vermieden (Meideverhalten) und in der Ausbildungssituation oftmals derjenige Recht bekommt, der mit einem Hund schnell zum Ziel gelangt oder schnell ein Problem beseitigt. Dass hierbei in gegebenem Fall mit Angst, Verunsicherung oder Schmerz gearbeitet wird, scheint den Anwendern dieser Praktiken entweder nicht bewusst, was ich zu bezweifeln wage, oder wird als notwendiges übel für schnellen Erflog in Kauf genommen. Die Befürworter von Härte leisten hierbei aber einen Offenbarungseid, da deren Ausbildungspraktiken nur beweisen, sich nicht mit moderner Ethologie (Verhaltensforschung) auseinandergesetzt zu haben. Denn nicht nur in der aktuellen Fachliteratur, sonder auch aus Sicht unseres Gesetzgebers (Tierschutzgesetz) gibt es klarere Vorgaben zum artgerechten Umgang mit Tieren, und damit mit Hunden, als manch einer vielleicht vermutet. Leider geht aber der Wunsch des Halters nach Profilierung und Erfolg, nicht zuletzt bei Jagd oder Sport, immer wieder zu Lasten des Hundes. Ein trauriges Szenario, wenn man bedenkt, dass sich wohl kein Hund der Welt am Ende des Tage über einen Pokal freuen wird. Aus der Sicht des Hundes geht es, so theatralisch das auch klingen mag, immer und ausschließlich um die Freude an körperlicher und geistiger Beschäftigung, wobei die individuelle Leistungsfähigkeit des Hundes vom Handler immer berücksichtigt werden muss. Dabei kann Erfolg durchaus Nebeneffekt sein, darf aber niemals "Ziel - egal mit welchen Mitteln" werden. Zudem kommt noch, dass ich fest davon überzeugt bin, dass körperliche und geistige Beschäftigung des Hundes, wie keine zweite Maßnahme, die Bindung fördert. Angst, Verunsicherung und Schmerz sind da wohl kaum zuträglich. Im Folgenden finden Sie eine Liste, die verschiedene Praktiken des Tadelns beschreibt. Ich habe versucht die einzelnen Methoden so objektiv wie möglich zu beurteilen und die Beurteilungen, soweit es mir möglich war, mit Zitaten aus der aktuellen Fachliteratur zu untermauern. Die Liste ist sicherlich nicht vollständig und wird von mir im Laufe der Zeit ergänzt werden. Wenn Sie von weiteren Zitaten wissen, würde ich mich freuen, wenn Sie mir eine E-Mail schicken würden. |
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Auch Alpha - Wurf genannt. Hierbei dreht der Handler den Hund auf den Rücken. Der Hund soll dabei in eine Demutshaltung gebracht werden, die ihm seine rangniedrigere Position vermitteln soll, bzw. durch die er sein Verhalten als falsch verstehen soll. Diese Methode beruht auf einem falschen Schluss. Denn das "sich-auf-den-Rücken-legen" ist eine Demutsgeste aus dem Funktionskreis der passiven Unterwerfung. Diese Geste zeigt der Hund aus eigenem Antrieb. Wird der Hund in diese Haltung gezwungen, steht zu befürchten, dass er dies fehlinterpretiert. Spiel oder Angriff sind denkbare Interpretationen des Hundes. Dass er die Tatsache, auf den Rücken gedreht worden zu sein, kognitiv (erkenntnismäßig) mit dem Verhalten verknüpft, welches getadelt werden soll, steht zu bezweifeln. Zitat Dr. Feddersen-Petersen in "Hundepsychologie", Seite 116 zur Absicht der vom Hund von sich aus ausgeführten Demutsgeste: "Nicht Abgrenzung, vielmehr soziale Integration ist seine Intuition." Zitat Dr. Schöning/Steffen/Röhrs in "Hundesprache", Seite 108: "Mit einer Unterwerfung im Sinne passiver Demut hat das nichts zu tun, denn die zeigt ein Hund als Reaktion auf ein Gegenüber von sich aus, das heißt, er wird nicht umgeworfen, sondern legt sich freiwillig hin." Zitat Dr. Schöning in "Hundeverhalten", Seite 82: "Eine echte Unterordnung hätten wir also tatsächlich nur, wenn sich der Hund vor uns freiwillig auf den Rücken legte, und nicht, wenn wir ihn umschmeißen. Eine Unterordnung wird im sozialen Konflikt um Ressourcen gezeigt. Nur dort macht sie Sinn, nämlich um den Gegner zu entwaffnen und zu entschärfen."
Von Ihnen erzwungene Körperhaltungen oder ein von Ihnen erzwungenes Verhalten des Hundes verknüpft der Hunde zunächst einmal zwangsläufig negativ, da Sie ihn in seinem Handeln beschränken. Das kann dazu führen, dass der Hund das von Ihnen gewünschte Verhalten, das Sie mit Zwang durch zu setzten versuchen, in Zukunft seltener oder gar nicht mehr zeigt, eben weil er Negatives mit dem Verhalten verbindet. Zeigt der Hund nach Ihrer erneuten Aufforderung das Verhalten dennoch, fällt dieses in den Bereich des Meideverhaltens, da der Hund bei Nichtbefolgen erneute Zwangsmaßnahmen und damit wiederholte negative Einwirkung auf ihn befürchtet. Die Reaktionen des Hundes auf Zwang sind vielfältig und reichen vom Ausführen von Beschwichtigungssignalen oder übersprungshandlungen über Demutsgesten bis hin zur Angststarre oder Fluchtverhalten. Verunsicherung oder Angst auslösende Faktoren wirken sich auf die Lern- und Konzentrationsfähigkeit des Hundes in jedem Fall hinderlich aus. Eine durch Stress hervorgerufene Ausschüttung von Botenstoffen hemmt hierbei nachweislich die Regionen des Gehirns, die für Lernprozesse und Konzentration zuständig sind. Außerdem wirken mit Zwang verbundene Verunsicherung und Angst gegen die Bindung.
Bei einem Timeout wird dem Hund, bei unerwünschtem Verhalten, der soziale Kontakt entzogen, indem er z.B. in einen anderen Raum gebracht und dort für eine kurze Zeit allein gelassen wird. Obwohl auch einige der aktuellen Autoren diese Methode unter bestimmten Voraussetzungen befürworten, konnte ich an keiner Stelle in der Literatur eine Erklärung finden, die mir die Nachvollziehbarkeit für den Hund schlüssig erklärt und dabei sein natürliches Verhalten berücksichtigt. Das der hochsoziale Hund den Entzug von Sozialkontakt durch ein Wegsperren als deutlichen Einschnitt empfindet ist nachvollziehbar. Ob aber der Hund diese Maßnahme, auch wenn sie, wie von den Befürworten empfohlen, mit einem Signalwort belegt wird, tatsächlich als Tadel für ein bestimmtes Fehlverhalten interpretiert wird, wage ich zu bezweifeln. Von der Problematik des Timings oder der Tatsache, dass ein Wolfs- oder Hunderudel wohl kaum die Möglichkeit hat, Artgenossen wegzusperren, einmal ganz abgesehen. Wie bedrohlich diese Maßnahme für einen sensiblen Hund wirkt, ist wohl nur schwer einzuschätzen. Es bestehet ebenso durchaus die Möglichkeit, dass für einen anderen Hund diese "Ruhephase" als sehr angenehm und damit bestärkend empfunden werden kann. Außerdem frage ich mich, wie der Hund zwischen Timeout und einem "allein-zu-Hause-bleiben-müssen" unterscheiden soll und ob er letzteres nicht auch in gegebenem Fall als Strafe empfindet. Für jede neue Erkenntnis bin ich äußerst dankbar. Schreiben Sie mir bitte.
Zitat Dr. Feddersen-Petersen in "Hundepsychologie", Seite 193: "Schlagen ist im Verhaltensprogramm von Hunden nicht vertreten, stellt somit eine Art von Bestrafung dar, die nicht nachvollzogen werden kann, ist damit nicht angebracht, vermittelt vielmehr Unsicherheit und Angst vor Menschen. Tiere zu schlagen oder sie mit anderen Methoden schmerzhaft zu bestrafen ist tierschutzrelevant, da es keinen vernünftigen Grund hierfür gibt." Da der Hund die Einwirkung nicht nachvollziehen kann, ist die Intensität im übrigen unbedeutend. Bitte deshalb auch keinen "kleinen Klapps" anwenden, wenn Sie tadeln wollen. Es besteht die Gefahr, dass der Hund den "kleinen Klapps" vielleicht sogar als Körperkontakt oder Aufmerksamkeit-schenken empfindet und sich in seinem Handeln von Ihnen bestärkt sieht. Insbesondere die im Zitat erwähnte Nachvollziehbarkeit von Erziehung und Ausbildung aus Sicht des Hundes, sollten Sie bei all Ihren überlegungen und Methoden immer kritisch hinterfragen. |
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§3 Ziffer 11 des Tierschutzgesetzes: Es ist verboten "ein Gerät zu verwenden, das durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten eines Tieres, insbesondere seine Bewegung, erheblich einschränkt oder es zur Bewegung zwingt und dem Tier dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt, so weit dies nicht nach bundes- oder länderrechtlichen Vorschriften zulässig ist." Der Gesetzgeber bezieht sich mit dieser Formulierung auf das Gerät und seine Auswirkung, nicht etwa auf die Handhabung durch einen Benutzer. Das lässt den Schluss zu, dass der Gesetzgeber von einer generellen Gefährlichkeit der Verwendung ausgeht. Dabei ist die Tatsache, dass ein Gerät auch niedrig dosiert eingesetzt werden könnte, irrelevant. Der früher so oft geforderte Sachkundenachweis wäre in der Praxis wohl kaum zu realisieren und würde im übrigen auch nicht greifen, wenn der Benutzer mit erwiesener Sachkunde seinen eigenen Emotionen erliegt und "die Geduld" verliert. Eine sichere Einschätzung, wie der Hund den Reiz empfindet, wenn sich Umgebungsfeuchtigkeit und/oder der Gemütszustand oder die körperliche Verfassung des Hundes ändern, scheint unmöglich. Neurophysiologische Spätfolgen sind nicht untersucht. Zitat Dr. Feddersen-Petersen in "Hundepsychologie", Seite 418: "Eine »normale« Hundeausbildung per Elektroreizgerät hingegen, ein »Abschleifen« der Bewegungen für die Ausbildung des »Siegerhundes in spe«, mithin ein inflationärer Gebrauch der gängigen Geräte, wie heute beinahe Usus, sind der Hund-Mensch-Beziehung nicht dienlich, wirken dem Verhalten, der Kommunikation mit Hunden, ihrem Training, das auf Vertrauen basieren sollte, entgegen, fügen dem Hund mehr oder weniger ausgeprägte Schäden zu." Die Anwedung dieser Geräte ist in Deutschland verboten und kann zum Beispiel bei Ordnungsämtern oder bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden.
Diese Methode soll einem an der Leine ziehenden Hund vermitteln, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist. Dabei zieht der Handler ohne Vorankündigung, schlagartig und mit großer Kraft in die entgegengesetzte Laufrichtung des Hundes an der Leine. Der Hund soll sich dabei erschrecken und aus diesem negativen Reiz die Einsicht gewinnen, dass er selber versehentlich in die Leine gelaufen ist und dass er dies hätte vermeiden können, wenn er auf seinen Handler geachtet hätte. Das Problem bei dieser Methode ist die Tatsache, dass Sie schon beim ersten Ruck so stark an der Leine ziehen müssen, dass der Hund den Reiz mit Sicherheit als unangenehm empfindet. Die Einschätzbarkeit einer ausreichend hohen Kraft beim Leinenruck halte ich deshalb für schwierig. Ziehen Sie jedoch zunächst zu zaghaft, kommt es sehr schnell zur Gewöhnung oder der Hund versteht das leichte Rucken sogar als Aufmerksamkeitsschenken und fühlt sich auch noch bestärkt bei dem was er tut. Damit wäre Ihr Rucken im wahrsten Wortsinn kontraproduktiv. Für das Erreichen seines Ziels, nämlich voran zu kommen, nimmt der Hund den Gegendruck der Leine gern in Kauf und mit jedem Meter, den er tatsächlich voran kommt, wird er in seinem Handeln bestärkt. Dies ist der Grund dafür, warum Sie ohne Ausnahme jedes Mal, bei dem der Hund zieht, mit oben erklärter Stärke an der Leine rucken müssten. Wenn Sie das nicht tun, wird der Hund variabel bestärkt, da er zwischendurch, bei den Malen, bei denen Sie nicht rucken, zum Erfolg kommt. Ein durch variable Bestärkung etabliertes Verhalten ist nur mit großem Aufwand abzutrainieren, da der Hund immer wieder versuchen wird doch noch irgendwann zum Ziel zu kommen und seine Bestärkung, hier das Vorankommen, zu erhalten. Tierärzte sagen zwar, dass es durch Leinenruck zu weniger Verletzungen im Nackenwirbelbereich kommt, als bei einem fehlerhaft angewendeten Halti, dennoch können Kehlkopfentzündungen oder Kehlkopfquetschungen auftreten.
Bei dieser negativen Einwirkung werden alle fünf Fingerkuppen einer Hand aneinander gelegt, die Finger dabei gestreckt und so eine Spitze geformt, die eine Hundeschnauze simulieren soll. Hiermit wird der zu tadelnde Hund gestoßen. Versuchen Sie das ruhig einmal an Ihren eigenen Körper. Sie werden feststellen, dass Sie dieses Einwirken schon bei relativ wenig Intensität deutlich spüren werden. Für mich gehört dies in den Bereich des Schlagens, da, meines Wissens nach, das Verhaltensrepertoire der Hunde zwar das "mit-der-Schnauze-weg-drücken" beinhaltet, ein Stoßen mit dem Kopf bzw. mit der Schnauze aber nicht gezeigt wird um Sozialpartner zu tadeln. Deshalb bitte nicht anwenden. Der in der Literatur beschriebenen Mundwinkelstoß oder auch das Mundwinkellecken kommt aus einem ganz anderen Funktionskreis. Der Welpe stößt (oder leckt) dabei mit seiner Schnauze die Schnauzenregion der Mutterwölfin. Das Verhalten veranlasst diese Futter hervorzuwürgen. Bei jungen, aber auch bei älteren Hunden ist dieses Verhalten auch dem Menschen gegenüber, meist bei Begrüßungen, zu beobachten. Der Hund zeigt damit aktives Demutsverhalten. Dieses Verhalten ist praktisch in jedem ethologischem Hundebuch beschrieben. |
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Hierbei greifen Sie dem Hund mir der Hand um den Fang. Die Anwendung dieser Methode, um den Hund zu ermahnen, ist in den Augen vieler Fachleute legitim. Zur korrekten, vom Hund nachvollziehbaren Ausführung benötigen Sie aber ein paar Hintergrundinformationen: Bei einem Schnauzgriff soll das "über-den-Fang-beißen" bzw. "über-den-Fang-fassen" simuliert werden, das Wölfe und Hunde untereinander zeigen, um den anderen zu ermahnen. Dies ist aber nur ein sehr kleiner Teil der Bedeutung des "über-den-Fang-Fassens" im Verhaltensrepertoire des Hundes. In der Literatur sind die sogenannten Schnauzenzärtlichkeiten beschrieben. Lecken oder Stupsen der Mundwinkel des anderen Hundes, die Schnauze des anderen Hundes in den Fang nehmen, also eben über den Fang des anderen Hundes fassen usw. gehören dazu. So vermitteln diese Verhaltensweisen Zuneigung, Bestätigung der Einbindung in den Sozialverband, Bestätigung einer entspannten Atmosphäre, Vermittlung von Geborgenheit usw.. Dabei können Sie ruhig Ihre streichelnde menschliche Hand zum Austausch dieser Zärtlichkeiten mit der Schnauze eines Hundes vergleichen, die diese Zärtlichkeiten ausführt. Der Hund lernt diese Berührungen bereits im frühesten Welpenalter, zuerst durch die Mutterhündin, später auch durch weitere Artgenossen kennen. Die so erlernte Bedeutung dieser Zärtlichkeiten schafft die Grundlage für den Hund, ein unsanfteres Umfassen des Fangs, mit mehr oder weniger ausgeprägter Beißhemmung als Ermahnung verstehen und nachvollziehen zu können. Deshalb ist es biologisch sinnvoll, dass der Hund auch von Ihnen zunächst sanfte Berührungen in entspannter Atmosphäre an Kopf und Schnauze im Sinne von Zärtlichkeiten kennen lernt. Beim späteren Ausführen einer Ermahnung können Sie dann die Schnauze mit schnellerer Bewegung und mehr Druck umfassen. Eine korrekte Ausführung ist hier aber schwieriger als es sich zunächst vielleicht anhört. Denn ist Ihr Schnauzengriff nicht fest genug, wird der Hund Ihr Einwirken nicht als Ermahnung verstehen. Insbesondere die Tabellen in dem Buch "Hunde und ihre Menschen" von Feddersen-Petersen, die verschiedene Aktionen des Menschen, den daraufhin gezeigten Reaktionen des Hundes gegenüberstellen, zeigen, dass Hunde vielfach unser Ermahnen gar nicht als solches interpretieren. Sie sollten auf der anderen Seite aber niemals so viel Druck mit dem zur Diskussion stehenden Griff ausüben, dass Sie dem Hund Schmerzen zufügen, indem Sie ihm versehendlich grob z.B. seine Lefzen gegen seine Zähne drücken. Auch die Häufigkeit der Anwendung muss gut überlegt sein. Denken Sie immer daran, dass Ihre Hände in aller erster Linie von Hund positiv verknüpft werden müssen. Denn sie sind der Teil Ihres Körpers, der den häufigsten Kontakt zu Ihrem Hund haben wird. In einem ihrer Seminare zeigte Helene Leimer sehr schön die korrekte Anwendung, indem sie den Schnauzgriff an den Händen der Teilnehmer demonstrierte. Wenn Sie sich also über das geeignete Maß an Schnelligkeit der Bewegung und die anzuwendende Kraft nicht sicher sind, bitten Sie einen guten Trainer Ihnen die richtige Ausführung zu zeigen, indem dieser Ihre Hand umfasst.
Wölfe und Hunde untereinander drücken den umfassten Fang gelegentlich auch beiseite oder herunter. Auch dies können Sie vorsichtig durchführen.
Wie schon beim Schnauzgriff erwähnt, sind diese Methoden im Verhaltensrepertoire des Hundes enthalten und damit nachvollziehbar. Denken Sie aber bitte daran, dass es in erster Linie, ebenso wie beim Schnauzgriff, um das Bewegungsschema, also um die Geste geht und nicht darum Gewalt oder Schmerz auszuüben.
Das Ignorieren eines Verhaltens Ihres Hundes können Sie einsetzen, wenn der Hund ein Wortkommando für den Abbruch eines Verhaltens dem unerwünschten Verhalten nicht eindeutig zuordnen kann oder wenn Sie die Situation durch Ihr Einwirken nicht negativ besetzen wollen. So kann das Ignorieren als überbrückungszeitraum genutzt werden, um auf den Moment zu warten, zu dem entweder das unerwünschte Verhalten abgebrochen wird oder das erwünschte Verhalten gezeigt wird, um den Hund in der Folge loben zu können. Ein Beispiel: Der kontaktfreudige junge Hund hüpft wie aufgezogen an der Leine hin und her und möchte den Nachbarn begrüßen. Sie möchten, dass die freundlich Situation möglichst angenehm von Ihrem Hund verknüpft wird, möchten daher nicht negativ einwirken, sind aber mit dem Verhalten von Klein-Rambo nicht einverstanden. Hier könnten Sie zum Beispiel das Verhalten Ihres Hundes ignorieren, bis sich der Hund vielleicht zu Ihnen wendet oder sich vielleicht sogar setzt, um ihn dann loben zu können. Das Timing ist beim Ignorieren besonders sorgfältig zu überlegen. Sollte sich Ihr Hund im obigen Beispiel tatsächlich setzen, sollten Sie unmittelbar loben, da es dem Hund relativ leicht fallen wird, Ihr Lob auf das neue aktuelle Verhalten zu beziehen. Unterlässt Ihr Hund hingegen ein unerwünschtes Verhalten, das Sie ignoriert haben ohne ein vordergründiges neues Verhalten anzubieten, zum Beispiel hört er bei der Dummyarbeit am Ansatzpunkt auf zu fiepen, lassen Sie circa 10 Sekunden verstreichen, bevor Sie ihn loben, damit Sie relativ sicher sein können, dass der Hund Ihr Lob nicht doch noch auf sein Fiepen bezieht. Lassen Sie beim Ignorieren den Hund vollkommen unbeachtet. Schauen sie ihn bitte nicht einmal an, da der Hund Ihre Aufmerksamkeit bereits als Bestätigung empfinden kann. Wie beschrieben, ist ein gutes Timing notwendig, was nicht immer ganz leicht fällt, da man nur allzu gerne menschliche Maßstäbe anlegt und meint, den Hund über einen längeren Zeitraum ignorieren zu müssen. Dies ist aber keinesfalls so. Bricht der Hund das unerwünschte Verhalten ab, geben Sie ihm, zum oben beschriebenen Zeitpunkt, ein Feedback und loben Sie ihn. Sein Sie einem Hund gegenüber niemals nachtragend, indem Sie den Hund über einen längeren Zeitraum ignorieren. Der Hund muss immer in der Lage sein für Ihr Ignorieren einen situativen Bezug herstellen zu können, um nicht bezüglich seines Platzes in Ihrem Sozialverbandes verunsichert zu werden.
In jedem Fall benötigen Sie für Ihren Hund ein Kommando, durch dessen Vergabe er sein aktuelles Verhalten abbricht. Unter Umständen können Sie mit einem gut konditionierten "Nein" Gefahren von ihm abwenden. Dabei sollte ein "Nein" immer überlegt vergeben werden, da bei allzu häufigem Gebrauch das Signal seine Relevanz, im Sinne von Bedeutung, verlieren kann. Das Kommando "Aus" fällt in meinen Augen nicht in den Funktionskreis des Ermahnens, da das Ausgeben von Dingen für den Hund positiv verknüpft sein sollte. Auch dies kann dem Hund in gegebenem Fall das Leben retten. |
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