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in der hundeausbildung ...

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Wenn Sie mit einem Hund zusammenleben, werden Sie früher oder später in die Verlegenheit kommen, dass Ihr Hund ein unerwünschtes Verhalten zeigt und Sie werden sich und anderen die Frage stellen, wie Sie Ihrem Hund begreiflich machen können, dass er etwas falsch macht.

Bei all meinen Bemühungen in den letzten Jahren, unter anderem in diversen Internetforen oder im direkten Gespräch mit anderen Hundehaltern, zum Austausch von Informationen zur artgerechten Hundeausbildung, bin ich immer wieder über Aussagen, wie diese hier gestolpert:

...das lasse ich dem Hund nicht durchgehen
...da habe ich ihm aber einmal die Meinung gesagt

Wahrscheinlich kennen Sie das auch und können, gerade wenn Sie relativ hundeunerfahren sind, für den tatsächlichen, praktischen Umgang mit dem Hund, nichts mit diesen Aussagen anfangen. Denn genaue Methodik wird mit diesen Formulierungen nicht umschrieben.

Wenn Sie dann intensiv nachfragen, werden Sie schnell das nächste Problem erkennen. Die Befragten hüllen sich relativ früh in betretenes Schweigen. Denn die Befragten wissen, dass öffentlich erklärte Gewalt in der Ausbildung, in vielen Fällen zunächst einmal kategorisch verteufelt wird. Im übrigen oftmals auch von denen, bei denen sich später herausstellt, dass sie ihren Hunden gegenüber ebenfalls Gewalt ausüben.

Da es somit nur selten zur offenen Diskussion über tatsächlich angewandte, harte Methoden kommt, werden Sie am Ende des Tages mit der Frage allein gelassen, wie häufig Gewalt angewandt wird und ob die Anwendung von Gewalt in der Ausbildung sinnvoll oder gar nötig ist oder nicht.

was ist gewalt?
Vielleicht überlegen Sie, warum ich diese Frage stelle und ob nicht schon allein der gesunde Menschenverstand Gewalt sofort erkennt, wenn er sie sieht. Doch so einfach ist es in meinen Augen leider nicht.

Der Gewaltbegriff kann hier nur als Überbegriff fungieren, denn neben der tatsächlichen physischen Einwirkung, die auf den Hund ausgeübt werden kann, kann jeder Auszubildende, hier der Hund, natürlich auch über psychischen Druck in höchste Anspannung, Verunsicherung oder Angst versetzt werden. Schläge, die nicht im Verhaltensrepertoire des Hundes enthalten sind und damit von Hund nicht nachvollzogen werden können, gehören somit an dieser Stelle genauso in den Funktionskreis der Gewalt, wie zum Beispiel sich wiederholendes Erschrecken durch Anschreien, im steten Wechsel mit einem Ignorieren des Hundes oder der Nahrungsmittel- oder Wasserentzug oder Isolation.

wer wendet gewalt an?
Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass Gewalt oftmals vor dem Hintergrund mangelnder Reflektion der Methoden oder vor dem Hintergrund von Desinformation angewandt wird und dass bei entsprechender Aufklärung andere Methoden favorisiert würden.
Dabei haben augenscheinlich harte Hundeführende mitunter stark voneinander abweichende Motivationen, weswegen sie Gewalt in der Hundeausbildung einsetzen.

In meinen Augen wäre da zunächst der intuitiv handelnde Hundebesitzer. Er hat sich um keinerlei Information über den Hund im weitesten Sinn bemüht, hat in Hundeschulen oder in Seminaren keine bis sehr wenig Erfahrungen sammeln können. Er vermenschlicht das Verhalten des Hundes oftmals, weswegen er dem Hund mitunter Sturheit oder Kalkül unterstellt und denkt der Hund erhielte durch drakonische Strafen irgendwelche Einsichten. Außerdem hat er in seinem früheren oder im aktuellen Umfeld mitunter ebenfalls Gewalt gegenüber Hunden beobachten können.

Eine weitere Gruppe Hundeführende fühlt sich von der Gruppe unter Druck gesetzt. Mitglieder dieser Gruppe wollen nicht als Querdenker oder Außenseiter dastehen und wenden mit einem unguten Gefühl die empfohlenen harten Methoden beim eigenen Hund an. Die Mechanismen von Gewalt sind diesen Hundeführenden nicht oder nur unzureichend erklärt worden und somit verfügen sie auch über keinerlei Argumente gegen Gewalt in der Hundeausbildung.

Einer weiteren Gruppe sind harte Trainingsmethoden mehr oder weniger ausführlich erklärt worden. Diese werden ohne Reflektion angewandt oder als notwendiges Übel für das Fortschreiten im Training in Kauf genommen. Das Korrigieren des Fehlverhaltens des Hundes und der schnelle Trainingserfolg stehen dabei im Vordergrund. Nicht selten werden von dieser Gruppe klare Ziele auch für das Bestehen von Prüfungen formuliert. Mitunter haben diese Hundeführenden einen Gewöhnungsprozess durchlebt, der sie durch die stetige Konfrontation mit Gewalt durch das Umfeld desensibilisierte.

Die letzte von mir skizzierte Gruppe weiß sehr genau welche Auswirkungen Härte in der Ausbildungssituation hat und welche Mechanismen bei der Anwendung von Gewalt im Hund ausgelöst werden. Diese Hundeführenden setzen Gewalt sehr berechnend und geplant ein. Oftmals wurden von dieser Gruppe aber niemals Alternativmethoden ausprobiert, sodass ihr ein Abwägen und Vergleichen mit Alternativmethoden kaum möglich ist.

Damit wage ich die naheliegende Vermutung zu formulieren, dass Gewalt in der Hundeausbildung in vielen, wenn nicht sogar in den meisten Fällen, eine Folge des aktuellen oder eines früheren Umfeldes ist. Es darf damit zu keinem Zeitpunkt um das Diskreditieren einzelner Gewaltanwender gehen. Eine offene Diskussion muss auf dem Niveau von Aufklärung durch moderne, wissenschaftliche Erkenntnisse bezüglich der Lernbiologie des Hundes und auf dem Niveau gemeinsamer Reflektion verlaufen.
Bloße, mitunter lautstarke Verurteilungen lassen jedes offene Gespräche nach kürzester Zeit abreißen, womit der ruhigen und sachlichen Aufklärung jede Grundlage genommen wird.

Nicht Deformation einzelner, sondern Information aller muss erklärtes Ziel sein und bleiben.

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was ist gewalt?

wer wendet gewalt an?

was bewirkt gewalt?

gewöhnung beim hund

gewöhnung beim menschen

antiautoritäre erziehung

ziele



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was bewirkt gewalt?
Der Hund hat, wie jedes andere Lebewesen auch, ein Verhaltensrepertoire, vor dessen Hintergrund er ihm gegenüber gezeigtes Verhalten nachvollziehen oder nicht nachvollziehen kann.
Schläge, Tritte, Ohrenziehen usw., im übrigen egal mit welcher Intensität, gehören nicht in dieses Repertoire und können deshalb auch vom Hund nicht nachvollzogen werden. Der Hund muss also das ihm fremde Verhalten interpretieren. Spiel oder Angriff wären mögliche Interpretationsansätze.

Ist die Gewalteinwirkung ausreichend groß, reagiert der oftmals untergeordnete Hund mit Angst oder Verunsicherung oder dergleichen. Dabei ist die Bandbreite vom Hund gezeigter Reaktionen auf Gewalt entsprechend groß. Gezeigt werden leichte Beschwichtigungssignale, wie Ohrenanlegen oder "über den Fang lecken". Aber auch deutlichere Signale, wie Ducken und Ruteeinziehen oder extremes Angst- oder Fluchtverhalten, sind zu beobachten.

Nun belegen wissenschaftliche Studien nachweislich, dass Angst oder Verunsicherung die Ausschüttung von Botenstoffen im Hundekörper bewirken, die Bereiche im Gehirn blockieren, die für das Lernen zuständig sind. Damit scheint Gewalt in der Ausbildung ohne jeden Sinn und kontraproduktiv zu sein. Doch leider wirkt hier ein Mechanismus, der bei Anwendung von Gewalt augenscheinlich positive Auswirkungen auf ein unerwünschtes Verhalten haben kann.

Denn der Hund zeigt nach entsprechender Einwirkung im Folgenden mitunter tatsächlich das erwünschte Verhalten. Doch tut er dies nicht aus Einsicht, nicht aufgrund eines Lernschrittes, denn was er nicht nachvollziehen kann, kann ihm auch keine Einsicht bescheren, sondern weil er weitere Sanktionen fürchtet. Dabei verharrt er mehr oder weniger intensiv, friert Bewegungen ein oder führt sie sehr langsam aus, um nicht Gefahr zu laufen erneut mit Gewalt konfrontiert zu werden.

Er zeigt Meideverhalten.

Das ist der zentrale Punkt, der jedem Anwender von Gewalt in der Hundeausbildung klar sein muss. Der Anwender muss wissen, dass der Hund keinerlei Erkenntnis bezüglich seiner Ausbildung erlangt. Nur die Furcht vor weiteren Sanktionen bewirkt eine Veränderung des Verhaltens.

Außerdem muss der Hundeführende wissen, dass jede Gewalteinwirkung so energisch sein muss, dass der Hund tatsächliche Angst vor der nächsten negativen Einwirkung entwickelt. Solange der Hund vermutet, dass sein Vorteil durch das unerwünschte Verhalten größer ist, als sein Nachteil durch die negative Einwirkung seines Handlers, wird er immer wieder das unerwünschte Verhalten ausprobieren. Ein kleiner "Klaps" reicht da nicht aus und wird eventuell sogar vom Hund als Aufmerksamkeitsschenken und damit bestärkend interpretiert. Dies ist auch der Grund dafür, warum viele gewaltanwendende Hundeführer immer wieder in den gleichen Situationen Gewalt anwenden müssen. Zwar stellt der Hund das unerwünschte Verhalten kurzzeitig ein, zeigt es aber bereits im nächsten Training wieder.

gewöhnung beim hund
Eine frühe Konfrontation des jungen Hundes mit Gewalt in der Ausbildung oder Anwendung von Gewalt über einen längen Zeitraum, bewirkt eine gewisse Abhärtung und Gewöhnung des Hundes, da dieser in entsprechenden Trainingssituationen versucht Einwirkungen vorauszusehen, auch wenn diese vom Hundeführenden gar nicht geplant sind. Diese Erwartungshaltung des Hundes nimmt der Einwirkung ihre erschreckende Wirkung. Ausweichende oder deutlich verlangsamte Bewegungen des Hundes, noch vor der von ihm befürchteten Gewalteinwirkung, können als eine Art Vorbereitung auf die Einwirkung interpretiert werden. Der so vorbereitete Hund zeigt in gegebenem Fall eine abgemilderte Reaktion auf die Einwirkung, was wiederum den Hundeführenden dazu bewegen kann, die Intensität seiner Einwirkung im Laufe der Zeit stetig zu steigern.

Aber auch Abstumpfungen gegen physische Einwirkungen entwickeln sich beim Hund, die ebenfalls den Handler dazu bewegen können, in Zukunft Gewalt zu intensivieren, um weiterhin die gewünschte Reaktion beim Hund hervorzurufen.

gewöhnung beim menschen
Doch auch beim Menschen findet eine Gewöhnung statt. Das erste umgedrehte Ohr eines Hundes löst beim Beobachter im Zweifelsfall Unverständnis oder Wut oder Mitleid aus. Ist man aber häufiger mit physischen und psychischen Einwirkungen dem Hund gegenüber und außerdem mit erklärenden Rechtfertigungen der Anwender konfrontiert, kann eine zukünftig beobachtete Gewalteinwirkung als bereits bekannt und damit weniger überraschend und aufwühlend eingestuft werden. Damit wäre der erste kleine Schritt in Richtung Akzeptanz unternommen.

Ich habe durchaus Verständnis für diesen Gewöhnungsprozess, der mitunter sehr subtil und über Jahre verlaufen kann. Wer kann es den Kindern, die in der Vergangenheit Zeugen harter Ausbildungsmethoden bei der Erziehung des Familienhundes wurden, verdenken, dass sie diese später bei Maßregelungen des eigenen Hundes auch einsetzten?
Wenn der Trainer, der schon vor 20 Jahren seine Hunde schlug oder ruckte, zu einer Zeit, da drakonische Ausbildungsmethoden in der Hundeausbildung usus waren, heute noch seine Methoden an seine "Jünger" weitergibt, besteht immer die Gefahr, dass der Trainee denkt, Ausbildung müsse so verlaufen und wirksame, praxisnahe Alternativen gäbe es nicht oder zeigten nicht die gewünschte Wirkung.

antiautoritäre erziehung
Die Tatsache, dass an Stellen, wie dieser hier, von den Befürwortern von Gewalt in der Hundeausbildung oftmals "antiautoritäre Erziehung funktioniert nicht" gerufen wird, unterstreicht meine Meinung zur nötigen Aufklärung nur noch.

Genau wie bei dem Thema "Druck versus Konsequenz", werden hier immer wieder Begriffe miteinander verwechselt. Denn bis heute konnte mir noch niemand eine Textstelle in der Literatur nennen, in der ein Autor antiautoritäre Erziehung für den Hund befürwortet; auch nicht in Büchern von Pietralla oder Pryor.

ziele
Ich finde meine eigenen Texte auf dieser Seite meiner Homepage mitunter noch etwas holprig, doch ein Anfang ist gemacht. Und ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Ob jemand Gewalt anwendet oder Gewalt in der Hundeausbildung ablehnt, ist für mich zunächst nicht von größter Wichtigkeit. In meinen Augen gilt es kleine Schritte zu machen. Schön wäre es, wenn dieses Projekt vielleicht auch in Ihrem Umfeld erst einmal eine Diskussion anstoßen würde.

Sprechen Sie dass Thema ganz offen an. Suchen Sie sich im Vorfeld Gleichgesinnte. Verurteilen Sie dabei nicht die Befürworter von Gewalt, denn, wie weiter oben schon erwähnt, bewirkt dies lediglich, dass alle Parteien diskreditierend über einander herfallen und es gar nicht erst zum Austausch von Informationen kommt.

Bleiben Sie sachlich. Stellen Sie viele Fragen, denn da Gewalt in der Ausbildung nicht schlüssig mit der Lernbiologie des Hundes vereinbar ist, wird den Befürwortern das Formulieren von nachvollziehbaren Antworten auf Fragen zur Anwendung von Gewalt nicht leicht fallen. Aber bleiben Sie bitte zu jedem Zeitpunkt ruhig und sachlich. Alles andere verhärtet die Positionen nur. Haben Sie auch Verständnis für die Befürworter, denn die haben Alternativmethoden vielleicht nur noch nicht kennen gelernt.

Ein erstes kleines Ziel könnte so aussehen, dass Anwender von Gewalt verstehen, dass sie mit dem Prinzip des Meideverhaltens arbeiten und dass sie verstehen, was dies für die Bindung des Hundes bedeuten kann. Eine großartige Ausgangsposition für eine Diskussion wäre es natürlich, wenn der Anwender zunächst einmal in aller Ruhe zugeben würde, Gewalt anzuwenden. Der zur Gewalt bereite Hundeführenden muss sich die Frage gefallen lassen, ob er das System "Meideverhalten" in der Ausbildung mit seinem Gewissen, beziehungsweise mit seiner Sachkunde, vereinbaren kann. Doch auch wenn ich mich wiederhole, bleiben Sie freundlich und sachlich. Dies ist der einzige Weg eventuell beim Gegenüber durchzudringen.

Informieren Sie sich, so gut Sie können, über die Lernbiologie des Hundes, damit sie Argumente gegen Gewalt aufzeigen können.
Einen Einstieg finden Sie vielleicht hier in der Online-Hundeschule zum Thema "Wie der Hund lernt".
Hier finden Sie Infos zum Lehren und Lernen, zum Loben und Tadeln oder zu Timing und Konsequenz und so weiter.
Online-Hundeschule
Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Anmerkungen haben, scheuen Sie sich bitte nicht, mich zu kontaktieren.

Ich halte regelmäßig Vorträge über die Lernbiologie der Hunde, mitunter auch überregional. Im Hauptmenü finden sie den Link zur Hundeschule und dort meine Termine unter dem Link Aktuelles. Wenn Sie so einen Vortrag einmal bei sich in der Gegend durchführen wollen, sprechen Sie mich bitte an. Im Bereich der Hundeschule finden Sie auch einen kleinen Einblick in die Inhalte so eines Vortrags.

Unser Anstecker zum Projekt ist oben auf der Seite abgebildet.

Goria Lupi - Die Hundeschule für Lüdenscheid und Umgebung.

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