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"man nennt mich hundeflüsterin" christiane rohn
Mich würden wirklich die Meinungen von denen von Ihnen interessieren, die das Buch auch gelesen haben und ich würde gerne wissen, ob diejenigen ebenfalls so hin und hergerissen waren wie ich zunächst. Das Buch ist keine "Hundeschule" im klassischen Sinn. Es werden hier eigentlich keine Techniken beschrieben, die es ermöglichen dem Hund etwas beizubringen oder abzugewöhnen. Jemand, dessen Hund z.B. nicht auf "Hier" hört und der eine geeignete Ausbildungsmethode sucht, nach dem Motto: "Als erstes müssen Sie...", wird hier nicht fündig. Auch eine zusammenhängende Beschreibung von Körpersprache der Hunde in bestimmten Situationen fällt relativ knapp aus. Nicht zu vergleichen mit Büchern wie "Calming Signals" oder "Die Geheimnisse der Hundesprache" von Stanley Coren, die hier sehr ausführlich Körperausdruck und "übersetzung" für den Handler beschreiben. Stellt sich die berechtigte Frage: Wenn das Buch keine Ausbildungstechnik und keine konkrete "übersetzung" hündischen Verhaltens bietet, was vermag es dann eigentlich auf 500 Seiten und wo ist der Gegenwert für über 40.- Euro? Die Antwort ist in meinen Augen genauso einfach wie spektakulär, da ich sie in dieser Form weder in Büchern noch auf Hundeplätzen so deutlich umschrieben fand, wie hier: Jeder Kontakt mit dem fremden oder dem eigenen Hund ist Kommunikation, jedes Loben, jedes Streicheln, jedes Ignorieren, jede Ausbildungssituation, jede Maßregelung, jedes Füttern, usw., usw. Die Grundvoraussetzung dafür, dass Kommunikationsinhalte von Empfänger (egal ob nun Hund oder Mensch) auch so erfasst werden, wie sie von Sender gemeint waren, ist aber zunächst keine Technik, sondern die intuitive, emotionale und vor allen Dingen kameradschaftliche Auseinandersetzung mit dem Tier. Der Hund benötigt Konsequenz zunächst nicht in der Ausführung der Technik, sondern gerade und als erstes auf emotionaler Basis. Die emotionale Sicherheit (im Sinne von Souveränität) des Hundehandlers ist Grundvoraussetzung für das Tier, den Handler und damit auch seine Techniken überhaupt erst ernst zu nehmen, Bindung aufzubauen und dann erst Techniken umzusetzen.Für Frau Rohn ist es sehr wohl möglich, dass sich der Mensch mit seinem Handeln in den Augen des Hundes vor ihm (dem Hund) erniedrigt und damit jede Basis zum Durchsetzen des Kommunikationsinhaltes verliert. Sich diesen Zusammenhängen bewusst zu sein, vermag unter Umständen den gesamten Umgang mit dem Hund in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Sicherlich kann man dies auch in anderen Büchern mehr oder weniger zwischen den Zeilen lesen und sicherlich ist für einige eine emotionale Basis so selbstverständlich, dass sie sich noch nie Gedanken darüber gemacht haben. Für alle die aber manchmal wünschten ihr Hund würde besser "verstehen" und das Nichtverstehen auf den Hund oder auf eine schlechte Technik schieben, sei empfohlen hier einmal einen Blick in das Buch zu riskieren. Kann sein, dass einige sagen: "Kenn ich alles schon!". Kann aber auch sein, dass sich mehr als 40.- EUR als die beste Investition überhaupt im Zusammenhang mit dem Hund erweisen. Feddersen-Petersen spricht einigen Hundehaltern in "Hundepsychologie" die Intuition im Umgang mit dem Hund ab und meint im Grunde dasselbe wie Rohn. Ich hatte Feddersen-Petersen vor Rohn gelesen und hatte den Eindruck, als hätte Frau Rohn für mich die ein oder andere Zeile von Feddersen noch einmal mit klaren Worten "übersetzt". Für jemanden, der den Schreibstil von Feddersen nicht scheut ist "Hundepsychologie" in meinen Augen das fachlich informativere Buch. Ein eindeutigeren Zugang zum Maß der Wichtigkeit von Emotionalität erhielt ich persönlich aber bei Rohn. Ich würde beide Bücher immer wieder kaufen. |

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