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"die drei charaktere"
anke bogaerts
Tatsächlich ist der Titel des Buches Programm. Dabei kategorisiert die Autorin Jagdhunde in drei unterschiedliche Charaktertypen. Den Gefühlshund, den Aktionshund und den Augenhund. Sie konkretisiert dies am Beispiel des Golden Retrievers (in den Augen der Autorin eher Gefühlshund), des Labrador Retrievers (eher Aktionshund) und des Flatcoated Retrievers (eher Augenhund).

Da die Autorin, Ihren eigenen Angaben nach, auf relativ viele Erfahrungen auch mit anderen Hunderassen zurückblicken kann, erschließt sich dem Leser nicht, warum sie den drei Charaktertypen sehr konkret ausschließlich die oben genannten Retrievervarietäten zuweist, auch wenn Bogaerts klar formuliert, dass natürlich alle denkbaren Schnittmengen unterschiedlichster Eigenschaften in einem Hund vereint sein können.

Das 100 Seiten starke Buch ist auf eine gewisse Art spannend zu lesen, da der Leser ständig versucht ist, Gelesenes im eigenen Hund wiederzuerkennen, um Bogaerts Theorien bestätigt oder eben nicht bestätigt zu sehen. Dies gelingt sicherlich auch bei Besitzern anderer Rassen und macht das Buch für diese demnach ebenfalls interessant.

Im Buch findet sich kein gegliederter Trainingsaufbau, der einen unerfahrenen Hundehandler und damit einen unerfahrenen Hund an das Markieren, das Einweisen oder die Freiverlorensuche heranführt. Vielmehr werden wahrscheinliche Eigenarten der verschiedenen Charaktere beschrieben, Probleme, die durch die beschriebenen Eigenarten in Aufgabenstellungen auftreten können, geschildert und mögliche Lösungsansätze erklärt.

Tatsächlich lässt sich der eigene Hund ganz gut einordnen und im Text wiedererkennen.
Die Lösungsansätze beim Umgang mit den aufgezeigten Problemen sind durchdacht, aber nicht neu und an anderer Stelle, vor dem Hintergrund zielgerichtetem Trainings, in meinen Augen besser, im Sinne von sachlicher und/oder präziser beschrieben.

An zwei Stellen werden Starkzwangmethoden beschrieben, die zwar bei den von der Autorin geschilderten Fällen nicht favorisiert werden, im Umkehrschluss aber offensichtlich für die Autorin in anderen Situationen mögliche Alternativen sein könnten. Etwas, das mir gar nicht gefallen hat.

Im Großen und Ganzen sind die geschilderten Methoden aber eher modern und gewaltfrei und der Leser gewinnt durchaus den Eindruck, dass Bogerts wohl eher zu den sanften Ausbildern zählt.
Die Autorin veranschaulicht im übrigen viele der geschilderten Probleme an konkreten Beispielhunden und deren Geschichte. Mir persönlich gefällt dieser Schreibstil nicht, da ich oftmals währende des Lesens vermute, dass die Geschichten konstruiert wurden.

Es wird Sie vielleicht wundern, wenn ich Ihnen nach oben Erklärtem erzähle, dass ich das Buch dennoch und gerade für den Einsteiger als sehr empfehlenswert erachte.

Hundeausbildung ist u.a. die ständige Suche nach Auslösern für vom Hund gezeigtes Verhalten. Spätestens wenn gezeigtes Verhalten unerwünscht ist, beginnt die Ursachenforschung. Nur allzu häufig wird mensch dem Hund gegenüber ungerecht, da oftmals gemutmaßt wird, der Hund habe zwar verstanden, zeige aber gerade seinen Dickkopf. Das Buch ist dabei toller Anstoß bei der Suche nach Fehlern in der Trainingsmethodik, den zum Teil rassetypischen, aber immer individuellen Charakter des eigenen Hundes und den der Hunde der Trainingspartner zu hinterfragen und entsprechend zu berücksichtigen, um Vorverurteilungen des Hundes zu verhindern.

Ein schöner Beitrag zum besseren Verstehen des eigenen Hundes im Training. Lesenswert.

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